Apokalyptiker - Eine Reise in das historische Köln

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Atocha

Der Schmerz ist ein gefährlicher Führer.Er zwingt dich ihm in die labyrinthische Leere deines eigenen Ichs zu folgen, um dich dann, allein, aller anderen doch vielleicht ausgleichender Gefühle beraubt, in der erbarmungslosen Dunkelheit deiner zerklüfteten Seele zurückzulassen. In der Gewissheit kein Ikarus zu sein, dessen trügerische Rettung versprechende, wächserne Flügel wenigstens den Schimmer von

Hoffnung in sich bargen, bleibst du verloren zurück. Dein Rufen prallt an den steinernen Wänden deines Inneren ab, die dich wie erkaltete Lava umschließen. Das Echo deiner Stimme setzt sich fort und fort, bis es in der Unendlichkeit des vor dir liegenden Dunkel erstirbt.

Der ewige Orpheus

Der Verlust birgt einen Schmerz, dessen Kraft sich mit nichts zu messen vermag. Denn er hinterlässt eine Lücke, die sich nicht füllen lässt. Jede Art von physischer Wunde lässt sich bekämpfen, psychischer Schmerz nicht. Keine Salbe, keine Tinktur, keine noch so kunstvoll zusammengestellte Arznei, kann eine Leere in der Seele füllen. Die Zeit heilt alle Wunden?
Welch ein Irrglaube. Als ich an den Ufern der Insel Lesbos anlandete, war der Schmerz der Wunden meiner Seele, auch wenn die viel zu schnell verrinnende Zeit sie hatte vermeintlich vernarben lassen, so alles bestimmend wie am ersten Tag. 

Die dunklen Wasser des Rheins

Bonifatius liebte den Klang der Glocken. Er wartete. Er erwartete ihn, an manchen Tagen voller Ungeduld. Noch bevor der Klang der bronzenen Klangkörper, die inzwischen haushoch sich auftürmenden Mauern, der allgegenwärtigen, alltäglichen Alltagsgeräusche durchbrach, spürte er sein kommen. Es kündigte sich durch ein leises Summen an, ein Vibrieren, das den ganzen Körper erfasste. Der Asphalt auf dem er saß, die Backsteinmauern an denen er lehnte, waren ein guter Überträger. Sie
nahmen die Schwingungen auf und gaben sie an alles, was auf ihnen ging, stand und saß oder an ihnen lehnte, weiter.

Die hanseatische Preußin

Zum 100. Geburtstag von Marion, Gräfin Dönhoff
Richard von Weizsäcker nannte sie in seiner Laudatio zum 80. Geburtstag 1989: ‚Die Preußin unseres Jahrhunderts’; sie selbst sagte einmal etwas, das sie kaum treffender beschreiben könnte: ‚Meine Begriffe, was ich tun möchte, kamen aus meinen eigenen Vorstellungen und weniger, weil ich sagte: Der ist so, so möchte ich auch werden.’ Sie war in ihrer Charakterfestigkeit unverwechselbar und unverwundbar; ihre Meinung galt überall auf der Welt, ihr Wort hatte Gewicht.

Mein Dürer

Es ist, man mag es kaum glauben, nun in diesen Tagen zehn Jahre her, daß ich in München war. Ein Winterurlaub in den Bergen des nahen Achentales, darin ein Ausflug in die bayerische Landeshauptstadt. Es war nicht mein erster Besuch. Da ich, wenn ich reise, salopp formuliert, ‚in Kunst’, reise, führte mich mein Weg auch diesmal wieder in die alte Pinakothek auf dem Kunstareal an der Barer Straße. Die Kunst- und Sammelleidenschaft der Wittelsbacher, insbesondere Ludwigs I., hatte diesen Prachtbau hervorgebracht, der mit seiner klassizistischen Strenge ein Meilenstein der Museumsarchitektur wurde.